Gran Paradiso

Als ersten Viertausender in diesem Jahr hatte ich mit Jochen eine leichte Hochtour auf den Gran Paradiso geplant. Dieser Berg ist ein Aussichtsberg ersten Ranges und wird daher von vielen Bergsteigern besucht. Wir bekamen in der Hütte Vittorio Emanuele II keinen Platz mehr und reservierten daher auf der Nachbarhütte Chabod. Die Route ist von beiden Hütten mit der Schwierigkeit L+ ausgewiesen.

Übernachtungsplatz im Rifugio Chabod

Die Corona-Regeln wurden auf der Hütte streng eingehalten und wir waren positiv überrascht. Am Montag 3. August hatte eine Kaltfront für eine deutliche Abkühlung in der Höhe gesorgt. Wir starteten am Dienstag um kurz vor sechs Uhr bei der Hütte. Ein eisiger Wind pfiff uns um die Ohren. Nach kurzer Zeit mussten wir unsere Hardshell-Jacken anziehen, die Sicht wurde schlechter.

Schwieriger Weg auf einen “einfachen” Viertausender

Nach einigen größeren Gletscherspalten erreichten wir in einem felsigen Aufschwung ein Schild mit dem Start eines Klettersteigs, die Sicht war nur noch etwa 10 m. Ein Bergführer mit drei Gästen überholte uns zielstrebig, auch wir setzten unseren Weg fort. Das Stahlseil und unsere Kleidung war von weißem Anraum überzogen, es sah aus als wären wir im Schneesturm. Nun hatten wir alle Kleidungsschichten aus dem Rucksack angezogen. Die Wegfindung wurde immer schwieriger, ein lebensfeindlicher Ort und das an diesem vermeintlich leichten Viertausender.

Wir querten in den Normalweg von der Emanuele Hütte und es kamen uns mehrere Seilschaften entgegen. Nun war es nur noch ein kurzer Weg zur Madonna am Gipfel, an einer Leiterpassage stauten sich auch bei diesem Wetter einige Bergsteiger. Nur kurz riss der Himmel am Gran Paradiso auf und wir konnten einen Blick auf die Umgebung werfen. Winterlich wirkten die von Anraum und Neuschnee weiß gezuckerten Felsen.

Wir hielten uns nicht lange auf und machten uns auf den Abstieg. Jetzt waren wir auf der Lee-Seite, windgeschützt und die Sonne zeigte sich. Eine von einem Bergführer geführte Fünfer-Seilschaft hatte im Abstieg Probleme, ein überforderter Bergsteiger stolperte unsicher hinunter und rutschte mehrfach aus, als das Gelände steil und der Schnee hart wurde. Solche Situationen sind für Seilschaften extrem gefährlich.

Innerhalb kurzer Zeit änderte sich die Situation. Meter um Meter wurde das Wetter im Abstieg freundlicher, der Weg einfacher und wir freuten uns über den geglückten Aufstieg, der bei diesen Bedingungen alles andere als leicht gewesen war.

Mit dabei waren Jochen und Olli