Klettern und Klettersteige im Rätikon

Sonnencreme und Sonnenbrille konnten aufgrund der Wetterprognosen getrost zu Hause bleiben und trotzdem waren die Rucksäcke mit allem notwendigen Material für die geplanten Kletter- bzw. Klettersteigtouren gut befüllt. In dieser Form ausgerüstet, brachen die fünf Teilnehmer der Sektionstour an einem Sonntagmittag Anfang August von Partnun (Sankt Antönien) aus in Richtung Tilisunahütte auf. Der Plan, im Aufstieg bereits den kleinen Familienklettersteig „Partnunblick“ zu absolvieren, wurde aufgrund des einsetzenden Regens schnell verworfen. Auch wenn das Wetter wenig einladend war, so sorgte es doch für sehr eindrucksvolle Momente, beispielsweise mit den tiefhängenden Wolken, welche sich wie Vorhänge gespenstisch an die steilen Plattenfluchten von Sulzfluh oder Scheienfluh schmiegten.

Der erste Tourentag führte uns bei (fast) bestem Wetter auf den Gauablick-Klettersteig. Allein der Zustieg, vorbei am Tilisuna-Schwarzhorn, über die Schwarze Scharte und den Bilkengrat war schon eine großartige Unternehmung für sich. Übertroffen wurde das Ganze nur vom Klettersteig selbst, mit seiner beeindruckenden ca. 350 m langen Höhle. Am Ausstieg dann hatte jeder der Teilnehmer seine Freude, entweder über die bis dahin wunderbare Tour oder aber über das verlockende Angebot von Kaffee und Zwetschgenkuchen auf der Hütte. Dass die Sulzfluh mit ihren vielen Höhlen ein recht löchriger Berg ist, zeigte sich dann im Abstieg über das Plateau nochmals recht eindrücklich. Hier und da taten sich auf der Oberfläche des Karrenfeldes einige tiefe, dunkle Löcher auf, die ganz sicher auch ein Teil des Höhlensystems sind.

Für den zweiten Tourentag war Klettern in den unweit von der Hütte entfernten Klettergärten geplant. Bereits im vergangenen Jahr waren uns die äußerst verlockenden, vom Wasser zerfressenen Felsen mit ihrer rauen Oberfläche aufgefallen. Nahe des Tilisuna-Fürgglis kletterten wir unsere ersten Seillängen in „bombastischem“ Fels. Und die Freude darüber steigerte sich mit jeder weiteren Länge! Leider holte uns ein Schauer zur Mittagszeit dann aus diesem Paradies zurück auf die Hütte. Nach Kaffee und Kuchen am frühen Nachmittag zog der Himmel dann nochmals auf und motivierte uns dazu, den Zustieg zur Weißplatte zu erkunden. Bis zum Gruobenpass einem Wanderweg folgend, ging es ab da auf dem ansteigenden Karrenfeld der Weißplatte weglos weiter. Doch neben dem zeitlichen Limit trieb uns auch hier ein schnell aufziehender Schauer wieder auf die Hütte zurück. Alles in allem blieben zwei Erkenntnisse dieser Erkundung in Erinnerung – erstens: die Weißplatte scheint ein lohnendes und interessantes Gipfelziel zu sein – zweitens: Regenwasser geht nur bis auf die Haut!

Das Wetter des dritten Tourentages hat gehalten, was uns der Hüttenwirt in seiner abendlichen „Ansprache“ prognostizierte – Dauerregen! Um die vom morgendlichen Kartenspiel erhitzten Gemüter etwas zu kühlen, entschieden wir uns gegen Mittag zu einem Aufbruch in Richtung Tschaggunser Mittagsspitze. Immerhin erschien das in Anbetracht der Bedingungen als eine machbare Unternehmung. Ein knappe Stunde später auf dem Schwarzhornsattel kehrten wir aber um. Ein Weitergehen auf dem schrofigen, alpinen Steig barg ein zu großes Risiko und die Sicht war ohnehin bei fast Null. Immerhin gab es am Wegrand die ein oder andere seltene Pflanze zu entdecken, für welche teilweise auch neue Namen kreiert wurden ;-)! So blieb der Weg trotzdem kurzweilig und die Stimmung gut.

Leider blieb uns auch am letzten Tag aufgrund des anhaltenden Regens nicht viel Spielraum für besondere Unternehmungen. Immerhin wählten wir einen anderen, längeren Abstieg von der Hütte über den Plasseggenpass. Dieser Weg hielt zumindest noch eine Überraschung für uns bereit, wobei ein Bergbach direkt am Wegrand ganz einfach im Felsen verschwand.

Trotz der anhaltenden „Wasserspiele“ waren es abwechslungsreiche Tage und der Aufenthalt auf der Hütte war sehr angenehm. Mit dabei waren Ruth, Helena, Thomas, Andreas und Lars.