© DAV Freudenstadt

Vis à vis des berühmten Biancograts

Überschreitung Piz Morteratsch

02.07.2023

Für die dunkle Jahreszeit möchte ich Euch zum schmökern noch einen kleinen Bericht über unsere Überschreitung des Piz Morteratsch in der Bernina nachreichen.

 

Am Freitag, den 30. Juni trafen sich Ellena und ich auf der Bovalhütte (2495 m) mit der Gruppe, welche aus Sonja, Karin, Sabine, Bernhard und Rolf bestand. 

Der Aufstieg zur Hütte erfolgte nicht von der günstiger gelegenen Station Morteratsch, sondern von Pontresina durch das Val Morteratsch, da wir bei der angedachten Überschreitung durch das Val Roseg wieder in Pontresina ankommen würden.

Das Wetter verhieß nicht wirklich Gutes für den folgenden Tag und wir waren tatsächlich die Einzigsten, welche sich am Samstag Früh aufmachten, den Piz Morteratsch (3751 m) zu besteigen. Der Plan war also zunächst, zumindest mal bis zur Fuorcla Boval zu gehen und dann zu schauen, ob es der Wettergott vielleicht nicht doch noch gut mit uns meinte. 

Dorthin führte der Weg über einen Steig am Rande der Felsstufen und durch ein steiles Schuttkar bis zu einem Felsriegel, welcher durch eine Leiter und Eisenstifte entschärft wurde, hinauf zur Bovalscharte (3347 m).

Und tatsächlich! Das Wetter wurde zunehmend besser und herrliche Ausblicke boten sich uns hinüber zum Piz Palü mit seinen drei Pfeilern. In der Scharte angekommen konnten wir hinunter zum Tschiervagletscher schauen, auf welchen wir eigentlich absteigen sollten um von dort durch den 40° steilen Firnhang hinauf zum P. 3611 zu gelangen. Einige neue Haken blitzten aber am nicht allzu schwer aussehenden Felsgrat und ich entschied, nicht auf den Gletscher abzusteigen, sondern über den Fels höher zu gelangen. Vom Grat aus erblickten wir dann auch zwei Seilschaften, welche sich sichtbar mühsam von der Tschiervahütte kommend über den aufgeweichten Gletscher höher plagten. Für uns war es jedoch beruhigend, noch weitere Menschen außer uns an diesem Berg zu erblicken.

Es bot sich uns nun eine herrliche, den 3. Grad nicht übersteigende und vor allem gut abzusichernde Kletterei bis zu besagtem Punkt 3611, von wo wir im Zickzack durch die Spalten hindurch über den steilen Firnhang auf den Rücken gelangten, welcher nun erst flacher werdend sich dann aber nochmals kurz aufbäumend in den felsigen Gipfel überging. Vor allem ich war überglücklich, endlich oben zu sein, denn die erst kurz zuvor auskurierte Sommergrippe schlauchte mich auf den letzten 200 Hm doch sehr und ich bin der Gruppe dankbar, daß sie soviel Geduld mit mir zeigte, da ich zum Verschnaufen immer wieder stehen bleiben mußte.

Nach kurzer Gipfelrast, wo sich dann auch kurz die Wolken auftaten und uns einen Blick hinüber zum Biancograt schenkten, machten wir uns über den Tschiervagletscher an den Abstieg zur Tschiervahütte, wo wir noch einen gemütlichen Abend verbrachten. Hier erfuhr ich dann auch, daß die Route über den Felsgrat eine dem Steinschlag geschuldete, neue Variante bot, welche eine wirklich schöne Alternative bietet. 

Tags darauf machten wir uns dann auf den Weg durch das herrliche Rosegtal hinunter nach Pontresina, wo sich nach einem gemeinsamen Kaffee unser Wege wieder trennten und die Teilnehmer sich auf die Heimfahrt machten.

Ich hingegen mußte mir eingestehen, daß mein Fitnesszustand doch noch nicht auf der Höhe war, womit ich den Plan, mit Ellena über den Biancograt den Piz Bernina zu besteigen und auf dem Rückweg den Piz Palü zu überschreiten, schweren Herzens aufgeben mußte. Aber wie so schön gesagt, die Berge laufen ja nicht davon und mit der Entscheidung, anstatt dessen ins Bergell zu fahren, konnten wir uns mit der Besteigung der Fiamma einen anderen lang gehegten Traum erfüllen.