Nachdem die Touren in der Gantrischkette wegen Schneemangel abgesagt werden mussten und durch Lawinenkunde und LVS-Übungen in Freudenstadt ersetzt wurden, versuchten wir, einen schneesicheren Ausgangspunkt für Skitouren zu finden. Die Wahl fiel auf die Hochebene Gitschenen 1550 m im Kanton Uri, südlich des Vierwaldstätter Sees. Die Anreise erfolgte am Freitag, ab Horb als Fahrgemeinschaft, nach St. Jakob im Isental.Dort liegt die Talstation der Seilbahn, die nach Gitschenen führt. Im Gasthaus Gitschenen, direkt neben der Bergstation bezogen wir Quartier. Das Gasthaus ist sehr gut geführt und die Zimmer und die Sanitärbereiche sind schön gestaltet und mit hochwertigen Materialien ausgeführt. Frühstück und Abendessen waren sehr gut und reichhaltig.
Den Freitagnachmittag verbrachten wir mit einem kurzen Ausflug zu Fuß ins Gelände um uns die Gegend und die Schneelage anzusehen. Schnee lag im ebenen Gelände und in Nord- und Osthängen noch ausreichend, die besonnten Hänge waren bis über 2000 m hinauf ausgeapert. Wir nutzten die Gelegenheit um ein Schneeprofil zu graben und zu analysieren sowie zur Übung mit LVS-Gerät und Sonde. Am Abend erfolgte die Tourenplanung. Leider lag die Lawinengefahrenstufe bei 3 mit dem Gefahrenmuster Altschneeproblem. Eine sehr unfallträchtige Situation. Deshalb ergab unsere Risikoeinschätzung und die Bewertung durch die App Skitourenguru nur eine Tour mit geringem Risiko, die Tour auf den Maisander 2152 m.
Am Samstagmorgen starteten wir also Richtung Westen durchs Sulztal hinauf zum Sinsgäuer Schonegg 1913 m, von wo die den Gipfelanstieg zum Maisander sehen konnten. Es war schlimmer, als wir es vermutet hatten: der ganze Gratrücken war schneefrei, abgeblasen und ausgeapert. So mussten wir wenige Höhenmeter über dem Joch das Skidepot errichten und den Anstieg zu Fuß fortsetzten. Weglos, über steilen Rasen und Geröll erreichten wir schließlich den Gipfel. Die Gipfelrast fiel sehr kurz aus, da der Himmel bewölkt war und ein kalter Ostwind wehte. Der Abstieg zu Skidepot erforderte nochmal äußerste Konzentration um im steilen Grasgelände nicht zu stolpern oder auszurutschen. Die ersten Meter der Abfahrt entlang der Gratkante zurück ins Joch gestalteten sich recht unangenehm, da der wenige Schnee vom Wind abgeblasen und praktisch in Eis verwandelt worden war. Die Einfahrt in den folgenden steilen, mit Triebschnee gefüllten Osthang erfolgte einzeln und mit Sicherheitsabständen, angesichts der erheblichen Lawinengefahr. Der Schnee erwies sich trotz eines leichten Windharschdeckels als recht gut fahrbar und umso tiefer wir kamen, umso schöner wurde die Abfahrt. Um die lange Querung durch den Wald im Rückweg zu vermeiden, beschlossen wir, über freie Hänge weiter ins Sulztal abzufahren. Dort gestaltete sich die Wegsuche etwas kompliziert, aber schließlich erreichten wir eine Brücke, von der aus wir wieder zum Gasthaus aufsteigen konnten.
Der Sonntag brachte sonniges Wetter, jedoch nur eine minimal bessere Lawinenprognose. Es blieb uns keine andere Wahl, als zu einer Skitour mit erhöhtem Risiko aufzubrechen. Allerdings hatten wir mit der Tour zum Brisen (2404m) eine Route ausgewählt, die uns erlaubte, die Gefahr an kritischen Stellen zu beurteilen und gegebenenfalls auf den am stärksten gefährdeten Hang unter dem Gipfel zu verzichten und auf einen kleinen Nebelgipfel auszuweichen.
Angesichts des schönen Wetters waren viele Skitourengeher unterwegs und so lag bereits eine Spur durch den Geissboden hinauf Richtung Brisen. Die Lawinengefahr im ersten Abschnitt war geringer als erwartet und wir erreichten den kritischen Hang hinauf zum Gipfel. Obwohl schon Skitourengeher dort aufgestiegen und abgefahren waren, beschlossen wir, den Hang zu meiden und stiegen zu unserem Ausweichziel, einer Kuppe im Steinalper Grat auf. Dort machten wir eine lange Gipfelrast und genossen die Aussicht auf die Berge der Ostschweiz und das Nebelmeer über dem Vierwaldstätter See.
Der erste Teil der Abfahrt wurde wie am Vortag durch den Windharschdeckel etwas getrübt, weiter unten jedoch konnten wir auf Südhänge ausweichen, die wegen der Sonneneinstrahlung aufgesulzt und daher genussvoll zu fahren waren.
Von Gitschenen fuhren wir mit der Seilbahnhinab zum Auto und zurück nach Freudenstadt und Stuttgart.
Es waren für Januar ungewöhnliche Tourentage angesichts der geringen Schneelage. Dennoch waren alle Teilnehmer von der Unternehmung begeistert und froh, dass - trotz Schneemangel und Lawinengefahr - schöne Touren gelungen sind.
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