Nachdem wir (Felix, Rolf und Oli) am Freitag Morgen über den Fernpass ins Pitztal gefahren waren, packten wir auf dem Parkplatz des Gletscherskigebiets unser Material zusammen und fuhren mit dem Gletscherexpress hinauf zur Bergstation und von dort mit den Ski dann zum Mittelbergjoch (3166m).
Nach einer kurzen Abfahrt vom Joch querten wir nun auf dem Taschachferner immer unterhalb der Hohen Wände (3432 m) und des Schuchtkogels (3472 m) Richtung Wildspitze. Der Aufstieg durch den Gletscherbruch erwieß sich mit der ganzen Ausrüstung als recht mühsam, zumal das Wetter und die Sicht nicht gerade aufmunternd auf uns wirkte. Als wir bei Schneefall und sehr schlechter Sicht auf etwa 3500 m einen wohl geeigneten Biwakplatz ausmachen konnten, entschlossen wir uns hier das Zelt aufzustellen, zumal wir nicht wußten, ob noch ein sicherer Platz gefunden werden würde.
Nun hieß es eine Fläche ausschaufeln, Zelt aufstellen und Wasser schmelzen für Tee und Abendessen. Hier bemerkte ich dann auch, dass ich zwar den Kocher, aber nicht die Gaskartusche in den Rucksack gepackt hatte. Glücklicherweise hatten wir vorher mit Felix ausgemacht, dass er seine angebrochene Kartusche noch einpackt und wir so wenigstens ein wenig Gas zur Verfügung hatten. Letztendlich reichte es dann auch für´s Essen und noch eine Kanne extra Tee.
Nach einer recht windigen Nacht mit etwas Neuschnee war dann der Morgen erstmal sonnig und schön. Das Wetter sollte eigentlich bis Nachmittag so bleiben, so dass wir die Nordwand samt Abstieg in diesem „Schönwetterfenster“ schaffen sollten.
Kurzes Frühstück und los ging es. Mit den Ski liefen wir direkt unter die Wildspitze Nordwand. Der ziemlich steile Hang hinauf zum Bergschrund war wahrscheinlich das gefährlichste der ganzen Tour, da hier recht viel Triebschnee drin lag, welcher oben windverpresst auf einer ungebundenen „Schwimmschneeschicht“ lag und nicht gerade eine beruhigende Wirkung auf uns hatte. Doch wie´s halt eben manchmal ist, geht man das kurze Stück ein gewisses Risiko ein, denn ab dem Bergschrund drohte uns von oben keine Gefahr mehr, da die Wand ziemlich viel Blankeis aufwies. Also die objektiv sicherste Hangstelle aussuchen, hoffen und vorsichtig weitergehen, denn aufi muaß i.
Am Bergschrund angelangt schnallten wir dann die Steigeisen an, befestigten die Ski am Rucksack, die Eisgeräte in die Hand und nahmen die Wand gleitend gesichert in Angriff. Bei der ganzen Steigerei bemerkten wir gar nicht, dass das Wetter zunehmend schlechter wurde und so erreichten wir bei Wind und Schneefall den Nordgipfel der Wildspitze, von wo es über den verwechteten Verbindungsgrat auf den Südgipfel (3770 m) des höchsten Berges von Tirol und zweithöchsten in Österreich ging.
Nach kurzer Pause mit einem Schluck Tee und gefrorenem Müsliriegel machten wir uns dann auch recht schnell an den Abstieg. Allerdings streubten wir uns dagegen, den Normalweg abzusteigen und dann den ganzen Weg über den Taschachferner hinüber bis unterhalb des Mittelbergjochs zu hatschen und den selben Aufstieg wie am Vortag zum Biwakplatz zu machen. Wir entschlossen uns dann nach kurzer Absprache, den Nordostgrat abzusteigen bis zu einem Sattel, von wo aus wir dann quer hinunter eine mit Firn und Eis durchsetzte, nördlich exponierte, Flanke wieder gleitend gesichert in das obere Glescherbecken absteigen konnten, von wo aus wir dann ziemlich schnell wieder beim Zelt sein würden. Diese Variante stellte sich dann auch als richtig heraus, da wir auf diesem Weg sehr schnell wieder zurück beim Zelt waren um den Biwakplatz abzubauen.
Es war dann nochmals eine Herausforderung, zu Dritt angeseilt, bei praktisch null Sicht durch den Bruch abzufahren. Somit entschlossen wir uns dann auch dazu, nicht über den kompletten Taschachferner bei diesen Verhältnissen abzufahren, sondern den kuzen Gegenanstieg hinauf zum Mittelbergjoch zu gehen und dann über das Skigebiet wieder zum Auto zu gelangen. Nach einer mit ca. 1800 Hm langen und nochmals kraftraubenden Abfahrt kamen wir dann ziemlich geschafft, hungrig und durstig auf dem Parkplatz in Mittelberg an. Dennoch: eine wunderschöne Tour, auch wenn das Wetter nicht hielt, was es versprach.
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