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Eisfallklettern im Pitztal und an den Renkfällen

20.02.2018

Von Samstag, den 17. Februar 2018 verbrachten wir vier Tage im Climbers Paradise in Tirol. Das Pitztal ist bekannt für eine Vielzahl von Tourenmöglichkeiten aller Schwierigkeiten.

Der Samstag war mit Durchzug einer Warmfront der wärmste Tag der Woche, im Schatten zeigte das Thermometer 8° Celsius – eigentlich zu warm für Eisklettern. Wir nutzten den Tag zur Erkundung der Fälle im Tal. Am Nachmittag zogen Wolken auf und wir entschieden den sehr gut geformten etwa 100 m hohen Marchlehnfall im hinteren Pitztal auf 1850 m zu versuchen. Das Eis war im unteren Teil weich, jedoch wurde es von Meter zu Meter besser, am Ende eine sehr lohnenende Tour im Grad WI 5. Abgeseilt wurde an vorhanden Bohrhakenständen.

Am Sonntag zahlte sich die eingeholten Informationen des Vortages aus, durch den aufgezogenen Nebel war kein einziger Eisfall mehr zu sehen. Doch die Temperatur hatte sich im negativen Bereich stabilisiert. Die Pfaffenfälle im mittleren Pitztal auf 1600 m wurden zu unserem Tagesziel. Der linke Fall, mit 3 Seillängen (WI 5, WI 5, WI 5+), war sehr gut gewachsen, jedoch fehlte das Eis in der letzten Seillänge in der steilen Headwall und war nicht kletterbar. Diese Seillänge wird vermutlich auch diesen Winter nicht mehr kletterbar werden, da der Eisaufbau in der dritten Seillänge etwa 20 cm tief hinterspült und nicht verwachsen ist. Auch hier konnte bequem an vorhanden Standplätzen im Fels abgeseilt werden.

Am Montag war hervorragendes Bergwetter vorhergesagt, wir entschieden uns für einen langen Zustieg an die nahegelegenen Renkfälle.

Bei strahlendem Sonnenschein und klirrenden -9° waren wir die Einzigen an dem sehr gute ausgebildeten Eisfall. Der Zustieg war angenehm, da sich die Schneedecke gut verfestigt hatte. Im blauen Kompakteis stiegen wir in die Route „Klassischer Renkfall“ (WI 5+, 220 m) ein.

Nach der ersten Seillänge konnten wir aus drei Sanduhrschlingen die beste für einen vor Eisschlag sicheren Standplatz auswählen – unvorstellbar dass vor ein paar Tagen am Wochenende 14 Leute übereinander am Thron geklettert waren.

Im Ausstieg entschieden wir uns für den etwas nach rechts verlaufenden Zentralpfeiler, der den besten Eisaufbau aufwies, auch wenn die Kletterschwierigkeiten im 90° steilen Gelände etwas höher lagen. Die vom Nachsteiger mitgeführte Daunenjacke erwies uns gute Dienste, da am Ausstieg ein bitter kalter Wind fegte.

Angenehm war die Abseilfahrt über 180 senkrechte Meter bis zum Wandfuß. Nach etwa 12 Stunden erreichten wir durchgefroren und zufrieden wieder das Auto und freuten uns über die Schneeketten, da auf der steilen Zufahrt teilweise eine geschlossenen Eisdecke ist.

Am Dienstag war Abreisetag, wir fanden nach intensiver Suche den vor Sonne und Lawinen sicheren Eggenstallfall (WI 4+, 40 m) auf 1400 m im Pitztal, mit kurzem Zustieg von 20 Minuten eine ideale Tour für den Vormittag. Die Kletterei war lohnend und glücklich über das erlebte fuhren wir am Mittag wieder nach Hause.

Mit dabei waren Mori und Olli