© DAV Freudenstadt

Mit Bahn und Rad nach Konstein zum Klettern

28.04.2024

Die Ausschreibung für diese Veranstaltung stand unter dem Motto des DAV Hauptvereins München umweltverträglich Klettern und Bergsteigen.

Die Resonanz der Anmeldung war entsprechend bescheiden. Letztendlich hat sich außer mir nur Lars angemeldet. Anders als mit dem Auto zum Klettern zu fahren (Kletterzeug hinten rein, Navi an und ab geht es) stellt die Bahnlogistik andere Anforderungen an die Teilnehmer, von eventuellen Bahnbaustellen, Fahrradkarten und länderübergreifende Beförderungsbedingungen von Rädern ganz zu schweigen. Vor Fahrtantritt müssen Fahrpläne gecheckt werden und Verbindungen auf ihre Plausibilität geprüft werden, da 5- Minuten Umsteigezeiten bei der DB meist schief gehen.

Am Abend des 25. April ging es dann, bei kühlen 5 Grad von Schernbach über Erzgrube nach Dornstetten zum Bahnhof. Für Lars waren es ca. 11 km von Edelweiler. Die Bahn kam pünktlich und um 21 Uhr haben wir unser 1. Etappenziel in meiner Kuchener FEWO erreicht. Auch die Weiterfahrt früh morgens mit der Bahn über Ulm, Günzburg nach Burgheim gestaltete sich problemlos. Weiter ging es dann mit dem Rad und ca. 15 kg Gepäck durch das Wellheimer Trockental. Hier floss 2 Millionen Jahre lang die sogenannte Urdonau, bis diese dann nach der Risseiszeit ihren Lauf in der heutigen Richtung änderte. Zurückgeblieben ist ein liebliches Trockental mit felsdurchsetzten Magerrasenhängen und ein fast ebener Talgrund. Nach knapp 2 Stunden Radfahrt standen wir staunend und etwas unterkühlt vor dem Südgrat des Dohlen-Fels.

Im 5. Schwierigkeitsgrad und zum Teil mit etwas abgespecktem Fels ging es ca. 3 Seillängen bis zum Gratgipfel. In den Lochrouten a la Frankenjura des Dohlenwandls war dieses Warm-up auch dringend notwendig. Nach der Mittagspause kämpfte sich Lars in steiler, anstrengender Risskletterei den Nürnberger Weg im 6. Grad bis zum Stand hoch. Selbst im Nachstieg ging bei mir die Atemfrequenz ordentlich hoch und auch für den Rissüberhang in der 2. Seillänge waren 2 Anläufe nötig. Zum Abschluss des Klettertages gab es am Asterix und Obelix-Fels ein paar südfranzösisch abgesicherte Plaisier-Routen. Danach waren noch weitere 7 km Radfahren nach Dollnstein angesagt, um in unserer Ferienwohnung Quartier zu beziehen.

Am frühen Morgen des nächsten Tages bei einstelliger Temperatur gings mit dem Rad zum Burgstein, dessen Südwand noch komplett im Schatten lag. Was tun? Warten oder Kaltstart an der Südostkante mit 6+. Ich entschied mich für die erste Seillänge. Mit zitterigen Waden den 1. hochsitzenden Haken angeklettert, dann einen Beruhigungskeil in den schmalen Fingerriss reingedrückt um am 2. Haken erst mal wieder den Puls nach unten zu bringen. Der Standplatz in der Wandmitte mit seinem gelben Gemäuer links und oberhalb von mir erinnerte mich irgendwie an die Dolomiten. Lars stieg dann die 2. Seillänge etwas zögerlich, da man sich im dichten Routennetz erst einmal ein Überblick verschaffen musste um nicht versehentlich in einer 8.-Route zu landen. Vom Gipfel des über 40 m hohen Burgstein bot sich dann ein überwältigender Blick über die Flusslandschaft des Altmühltals.

So und dann gab es noch die bolzgerade hochziehende Rissverschneidung durch die Südwand die mittlerweile von der Sonne beschienen wurde und die wir unbedingt noch machen wollten. Da mir Klemmen, Stemmen und Spreizen liegen und man dort selten den Zwergentod stirbt, stieg ich mit Respekt vor der Route in die ersten leichteren Meter zum natürlich wieder hohen ersten Haken ein. Was dann folgte war für mich ein Hochgefühl angstfrei zu klettern, im Wissen alles richtig zu machen und locker zu bleiben. Aufgrund der weiten Hakenabstände hatte ich nach 2 Drittel Wandhöhe meine mobilen Sicherungsmittel verbaut, weshalb ich mich kurz ablassen ließ um nochmals 2 Friends als Reserve zu bergen. Zum Schluss noch eine abdrängende Stelle mit einem kräftigen Handklemmer und ein paar leichte Meter zum Gipfel bildeten den Abschluss der 2-Sterne Route. Lars als Nachsteiger bestätigte meinen Eindruck, dass es sich hier um eine außergewöhnlich schöne Route im oberen 6. Grad handelt. Mit der Routenkombination Direkte Westwand und Alte Westwand verabschiedeten wir uns vom Burgstein.

Am Nachmittag, nach ausgiebiger Cafepause in Dollnstein, fuhren wir dann zurück zum Dollnsteiner Turm. An dem schönen fast freistehenden Turm gab es mehrere Routen mit etwas brüchigen Einstiegen, die umsichtiges Klettern verlangten. Lars als alpinerfahrener Kletterer steuerte souverän durch den Einstiegsbruch der Talseite und auch im Hans im Glück (mit Stern), fing der Stern erst nach dem 1. Haken an zu leuchten.

Der wunderbare Klettertag endete dann gastronomisch nicht gerade sternemäßig mit einer dünnen Pizza vom Pizza-Service. Ich hatte die Öffnungszeiten der einzigen Gaststätte vor Ort falsch interpretiert.

Um am Sonntagnachmittag wieder rechtzeitig am Bahnhof in Burgheim zu sein, mussten wir das Klettern um 12 Uhr beenden. Deshalb sind wir von Dollnstein schon früh aufgebrochen um ins 8 km entfernte Aicha zu fahren. Eigentlich wollten wir noch zu den Merltürmen, allerdings waren die lt. DAV-Felsinfo gesperrt, was sich dann im Nachgang als nicht zutreffend herausstellte. Die Aktualisierung des Portals lässt zu wünschen übrig. Um noch ein paar Routen zu “spulen“, haben wir uns dann noch für die Münchener Wand entschieden. Die Letzte im Toprope um nochmals ein Gefühl für das richtige Stehen auf Reibung im Kalk zu bekommen. Kurzer Abstieg, Vesperpause an einem idyllisch Platz im Tal und wieder 23 km zurück zum Bahnhof Burgheim bildeten den Abschluss der kurzweiligen Klettertage in Konstein und Umgebung. Die Bahn kam pünktlich und über Ulm und Stuttgart ging es wieder in den Schwarzwald nach Dornstetten. Für alle nostalgischen Bahnfans: In Burgheim gibt’s noch uralte Bahntechnik zu bestaunen, die noch aus den 50er Jahren stammt. Signalanlagen die über Seilzüge gesteuert werden, sehr analog und weit entfernt von digital. Vielleicht kam die Bahn deswegen so pünktlich.

Fazit der Ausfahrt: Das Fahrradfahren kombiniert mit der Bahn ist eine tolle Sache, trotzdem sind bis zum Schluss fast 100 km zusammengekommen und die Kletterei in schöner Landschaft war sehr anregend. Und die Deutsche Bahn AG hat in Sachen Pünktlichkeit ihr Bestes gegeben. Mehr Zeit sollte man in die Vorbereitungsphase einplanen und vielleicht einen Tag mehr, dass alles zu einem guten Gesamterlebnis wird.