Aus Internetberichten erfuhren wir schon im Vorfeld, dass es rund um Zermatt diesen Winter wohl sehr wenig Schnee hat. Bei unserer Ankunft waren wir dann allerdings enttäuscht, dass es so wenig ist.
Unser Vorhaben, den Walliser Grenzkamm (wir wollten vom Breithorn bis Nordend soviel mitnehmen wie eben geht) mit Skiern zu begehen begruben wir also und entschlossen uns, direkt zur Monte Rosa Hütte aufzusteigen um dann weiter über den Lisssattel zur Gnifetti Hütte zu gelangen, um von dort aus diverse Gipfel zu erklimmen.
Allerdings äußerte sich auf der Monte Rosa Hütte ein französischer Bergführer sehr skeptisch über dieses Vorhaben, da der Gletscher dorthin sehr viele offene Spalten aufweist. Gegen Abend änderte sich dann auch zunehmend das Wetter und aus einem herrlichen Sonnentag wurde ein windiger, trüber Abend mit Schneefall und wir schmissen wieder alles über den Haufen und nahmen uns als Ziel für den Folgetag die Dufourspitze vor. Bei unserem Aufbruch am Morgen waren die Bedingungen dann alles andere als optimal, denn bei sehr starkem Wind und Schneefall bewegten wir uns die meiste Zeit in einer ungemütlichen,
trüben Suppe. Während dem anseilen im Gletscherbruch auf ca. 3500m beschlossen wir dann umzudrehen, was sich wohl als richtig erwies, denn von der nachfolgenden Seilschaft mit dem franz. Bergführer und seinen vier Kunden, stürzen nur wenige Minuten danach 3 Mann in eine Spalte, wovon der Seilschaftsletze fast 25m tief kopfüber in die Spalte viel und von der Bergrettung mit einem Kompressor aus dem Eis gespitzt werden musste. Nach kurzer Stärkung auf der Hütte fuhren wir dann um die 12km über den Gornergletscher und die Gornerschlucht ab nach Zermatt, wobei im mittleren Teil die Abfahrt durch die ausgespülte Eisrinne des Gletscherflusses mit seinen meterhohen Mauern optisch sehr imposant war. Da die folgenden Tage kein besseres Wetter versprachen und gar eine Kaltfront im Anmarsch war, kehrten wir ein wenig enttäuscht jedoch mit intensiven Eindrücken verschiedenster Art nach Hause zurück.
Ein paar Tage später entschlossen wir uns dann, eine Skitour zur Wildspitze zu machen und deren Gipfel über die Nordwand zu erklimmen. Bei wunderschönem Wetter stiegen wir von Vent im Ötztal auf zur Breslauer Hütte, wo wir den Winterraum, was eigentlich eine extra Winterhütte ist, ganz für uns alleine hatten. Was für ein Luxus ! Am folgenden Morgen gingen wir dann zeitig los.
Die Lawinenwarnstufe war mit 2 recht angenehm, trotzdem überraschte uns im Kessel des Mitterkarferners zweimal ein „Wumm-Geräusch“. Über das Mitterkarjoch, wo wir schon die Ski am Rucksack befestigten, zum Teil oberschenkeltief spuren und ein paar heikle, felsige Stellen passieren mussten, erreichten wir den Taschachferner. Hier verspekulierten wir uns nun ein wenig, da wir uns den längeren Weg um die Felsausläufer herum sparen wollten und den direkten Weg wählten. Wir stießen auf eine Flanke, welche anstatt mit Firn gefüllt aus Blankeis bestand. Diese abzusteigen erschien uns zu langwierig und aufwändig und wir beschlossen
kurzerhand die Nordwestwand (max. 55°) zum Gipfel anzusteigen. Diese Wand ist wohl etwas kürzer als die Nordwand, aber zu klettern war es ganz interessant. Zum Teil fanden wir guten Trittfirn vor, der Rest war mit „Wassereis“ überzogen, worunter sich Luftkammern befanden, bevor wir auf solides Eis trafen. Wir erreichten den Gipfel glücklicherweise vor den Tourengängern, welche sich wie an der Perlenschnur aufgereiht von der Bergstation des Pitztaler Skigebiets Mittenberg aufmachten, den Gipfel der Wildspitze
zu stürmen. Bei dieser Variante, wo „nur“ 500 Hm zu bewältigen sind, ist es nicht verwunderlich, dass wir um die 70 ! Gipfelstürmer zählten. Nach einer Gipfelrast bei Kaiserwetter mit einer 360° Rundsicht ohne ein Wölkchen am Himmel stiegen wir den Südwestgrat (Normalweg) ab und querten zurück zu unserem Skidepot und machten uns an die lange Abfahrt nach Vent. Nach diesen zwei herrlichen Tagen waren wir richtig glücklich über das erlebte und fühlten uns mehr als entschädigt für das „Walliser Waterloo“
Tourengänger: Jochen & Oli
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