Italien verbinden viele mit Sommer, Sonne, Strand, Meer, Pizza und Rotwein. Doch das Land hat viel mehr als das zu bieten. Unser Quartier in einem urigen Appartement mit Blick auf die Bergwelt des Mont-Blanc-Gebirges umgeben von Weinbergen bezogen Dennis, Frank und ich im Stadtteil St. Cristophe in Aosta für fünf Tage.
Ziel der Ausfahrt war, an Eisfällen, also an gefrorenen Wasserfällen, zu klettern. Ob das bei den sommerlichen Temperaturen möglich sein sollte war die uns im Vorfeld beschäftigende große Frage. Ohne allzugroße Erwartungen fuhren wir ins verträumte Bergdorf Cogne, in dem am Wochenende zuvor der Weltcup im Langlauf ausgetragen worden war. Es war schnell klar, eine Hauptaktivität in der Region ist Langlauf und es wurden große Bemühungen unternommen um gute Loipen zu präparieren. Wir entschieden uns eine Erkundungstour vom Teilort Lillaz zu starten. Am Eingang des Tals Valeille erreichten wir nach etwa einer Stunde den Einstieg des Lillaz Gully. Das Eis war durch die nordwestliche Ausrichtung noch hart gefroren, obwohl die Sonne bereits deutliche Plusgrade bescherte. Wir entschieden uns für die linke kurze Variante, X COME FRAGILE, WI 3, 20 m ist die Bewertung im Führer. Nach einer kurzen Passage in diesem Schwierigkeitsgrad steilte sich die Länge auf und anspruchsvolle Kletterei gefühlt im Grad WI 6 führte zum Standplatz am Baum.
Schnell war der Entschluss für die Wunschtour für den nächsten Tag gefällt, der berühmte Lillaz Gully, 200 m, WI 3 mit einer Stelle M4+. Wir wollten die erste Seilschaft in der Route sein, so brachen wir früh auf. Allerdings ging die Rechnung nicht auf, am Einstieg hatten sich bereits fünf Engländer und zwei Italiener versammelt. Durch die Temperaturen um die Null-Grad war die Kletterei in dem Gully mit mehreren Seilschaften vertretbar, doch stellte sich schon nach kurzer Zeit heraus, dass die Engländer nicht von der schnellsten Truppe waren. Sie hatten üppige Ausrüstungen am Gurt, Firnanker, Klemmkeile, Hexentrics, Felshaken und übergroße Rucksäcke. Zwischenzeitlich befürchteten wir, dass sie vorhatten im Gully zu biwakieren. Die Aktion hatte den Vorteil, dass wir unterwegs viel Zeit hatten, uns mit anderen Eiskletterern auszutauschen, so etwa mit einem 75 jährigen Italiener, der mühelos die Schwierigkeiten meisterte. Nach 9,5 Stunden kamen wir in der bereits einsetzenden Dämmerung wieder am Auto in Lillaz an. Diese wunderschöne Genusstour hatte uns Lust auf mehr gemacht, das Eis in den nordseitigen Fällen war in einer erstaunlich guten Qualtität.
Am Freitag fiel unsere Wahl auf eine Tour mit Zustieg wie am Gausbacher Straßenfels, 3 Minuten über der Gallerie von Bligny, WI 4, 200 m. Wie wir bereits herausgefunden hatten war Cogne für Eisfallkletter ein wahres Paradies. Schon am Marktplatz auf einer Tafel waren etwa 180 Eiskletterrouten eingezeichnet, es gibt Restaurants und Kneipen mit Bannern die Eiskletterer zeigen. Bereits der Einstieg war imposant, senkrecht ging es etwa 15 m auf das Dach der Gallerie mit dem Straßentunnel. Die Kletterei war so schön, dass wir alle drei diese Länge kletterten und abwechselnd fotografierten. In teils leichtem und gestuftem Gelände schlängelte sich der Wasserfall nach oben, die Kletterei blieb genussvoll. Heute hatten wir das Glück, als erste und einzige Seilschaft in dem Fall zu klettern und daher wie geplant etwas früher in Aosta in unserer Behausung ankommen zu dürfen. Wir genossen die Sonne und 22 Grad aus vollen Zügen auf der Hollywoodschaukel auf dem Balkon, mit Blick auf den Mont-Blanc, den Dent de Géant und die Grandes Jorasses. Zur Feier das Tages gab es am Abend im nahegelegenen Restaurant eine italienische Pizza.
Immer noch waren wir Feuer und Flamme auf neue Eiskletterrouten. Wir suchten uns eine Tour mit noch kürzerem Zustieg aus, 1 Minute, die Parto Gemellare, WI 4, 120 m an der Gallerie Lays. Frank entschied sich an dem Tag für eine kleine Auszeit, so waren Dennis und ich als Zweierseilschaft unterwegs. Wir seilten uns bis zum Bach ab und kletterten zwei schöne Seillängen, die zweite in senkrechtem Gelände. Leider stellten wir etwas überrascht fest, dass danach die Tour schon zu Ende war. Frank war zum Sightseeing mit dem Auto unterwegs und als er etwas später eintraf, stellten wir fest, dass wir wohl eine Erstbegehung gemacht hatten, die nicht im Führer aufgeführt war. Vielleicht handelte es sich auch nur um eine unlohnende Variante, aber das störte uns nun auch nicht sonderlich.
Wir genossen es bei dem herrlichen Sonnenschein das malerische Örtchen Cogne zu erkunden und die Eiskletterbar Licone näher kennenzulernen.
Unglaublich schön war das Wetter die ganze Zeit über, wir hatten kaum eine Wolke am Himmel entdeckt. Eine wunderbare Ausfahrt in den eisigen Teil Italiens war geglückt – wir werden sicher wieder kommen.
Mit dabei waren Frank, Dennis und Olli
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