Die Vorfreude auf die Hochtour war angesichts der Meldungen über die vorherigen schweren Unwetter im Tessin etwas getrübt und einige Teilnehmer hatten auch leichte Zweifel, ob die Tour überhaupt stattfinden kann. Die Wetterprognosen sagten aber deutlich stabilere Bedingungen für die Tourentage voraus.
Und so machten sich die neun Teilnehmer der Tour am Sonntagmorgen (noch bei Regenwetter) auf den Weg ins Val Bedretto. Schon nach dem Gotthardtunnel zeigte sich das Wetter von seiner besseren Seite.
Von All'Acqua aus ging es dann im Zustieg über den Passo S. Giacomo zum Rifugio Maria Luisa nach Italien. Diese eher untypische Berghütte war ursprünglich als Unterkunft und Wirtschaftsgebäude für die Bauarbeiter des naheliegenden Stausees errichtet worden und wurde erst später durch den italienischen Alpinklub als Berghütte genutzt. Das angrenzende Tourengebiet wird eher im Winter für Skitouren frequentiert. In den Sommermonaten kommen hauptsächlich Tagesgäste zu Fuß - der nächste Parkplatz im Val Formazza liegt wohl nur 5 km entfernt – oder auch viele Mountainbiker. Diese Tatsache bescherte uns das Glück, fast die einzigen Übernachtungsgäste zu sein. Und das junge Hüttenteam um Giada und Lorenzo bemühte sich vortrefflich um unser Wohlergehen!
Am Montag starteten wir dann bei bestem Wetter unsere Tour zum Basodino. Der Weg führte uns in steilem Aufstieg zur Kastellücke und danach weiter über den Cavergno-Gletscher. Nach einem weiteren kurzen Steilstück erreichten wir den Basodino-Gletscher. Die reichlichen Schneefälle in diesem Jahr haben dafür gesorgt, das wir sehr gut und fast in direkter Linie vorangekommen sind, was sonst aufgrund der zahlreichen Spalten so wohl nicht möglich gewesen wäre. Angekommen am Ostgrat ging es dann über einen wunderschönen Blockgrat in leichter Kletterei bis auf den Gipfel.
Ab der Hütte bis zum Gipfel verfolgten uns zwei weitere "Bergsteiger" namens Christian und "Silvio" (kurze Hose). Sie waren wohl sehr froh darüber, dass wir Ihnen zum einen den Weg zeigten und zum anderen gespurt haben. Ihre weiteren Pläne waren etwas vage und es stellte sich heraus, dass sie hinsichtlich des Abstiegs über die steilere Flanke zwischen beiden Gletschern etwas zweifelten. So bot Bernhard Ihnen an, unser später eingerichtetes Fixseil mit zu benutzen, was sie auch "dankend" annahmen.
Für den zweiten Tag stand die Punta di Valrossa auf dem Programm, welche bei normalen Bedingungen als T4-Wanderung gilt. Die großen Schneemengen deuteten darauf hin, das wir uns überraschen lassen mussten. Direkt von der Hütte führte der Weg in ein Seitental. Am Ende des Tales ging es dann bald schon in steilerem Anstieg und durchweg im Schnee weiter. Etwa 100 m unter dem Gipfel ging es dann über den Westgrat im Schotter weiter. Der Gipfelaufbau war allerdings so fragil, das wir uns etwa 50 m unterhalb des Gipfels entschieden haben, den erreichten Punkt als Gipfel zu erklären.
Da der Tag noch jung und die Teilnehmer motiviert waren, wurde auf dem Rückweg noch ein wenig Ausbildung vermittelt. So wurden der Aufbau eines "T-Ankers" demonstriert und auch die Möglichkeiten des Halten eines Sturzes im Schnee aus verschiedenen Positionen geübt.
Für den letzten Tourentag waren bereits wieder Gewitter ab Mittag gemeldet und so haben wir auf den Aufstieg zum Marchhorn verzichtet und stattdessen den Abstieg von der Hütte mit einem kleinen "Umweg" zum Laghi del Boden verlängert.
Wenn auch nicht alle Gipfel erreicht waren, so können wir uns trotzdem an wunderschöne Tage erinnern.
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